Ausgabe  
MANTEL
Datum  
02.10.2001
Ressort  
AUS DEM WESTEN
Überschrift  
Der kurze Draht ins Rathaus
Text  


Der kurze Draht ins Rathaus



Duisburg richtet ein städtisches Call Center

ein - als erste deutsche Kommune



 



 Von Klaus Johann

 WAZ Duisburg. 

 Duisburger wissen ab heute mehr. Als erste

Kommune in Deutschland richtete die Verwaltung

ein städtisches Call Center ein. Nummer: 0203

/ 94 000. 23 Frauen und zwei Männer sitzen mit

ihrem gespeicherten Wissen von 2500

städtischen Produkten vor den Bildschirmen.



 Ob Fragen zum EU-Führerschein über

Kindergärten oder Theaterkarten-Bestellungen:

Die Datenbank liefert die Antworten. Dass

gestern am ersten Tag auch listige Fragen

auftauchten, konnte das Team nicht

verunsichern. So wurde nach kurzer Recherche

auch der Anruferin geholfen, die wissen

wollte, wo man Künstlernamen schützen lassen

kann.



 Zwischen 8 und 18 Uhr arbeitet das Team, das

vorher vier Wochen lang geschult worden ist.

Den klassisch ausgebildeten Call Agent gibt es

nicht. Aus dem Sozial-, Gesundheits- oder

Straßenverkehrsamt wechselten die Mitarbeiter

ebenso wie aus der Stadtbibliothek oder den

Entsorgungsbetrieben. Es war der Reiz, etwas

Neues zu machen, meint Silvia Block, die

vorher als Arzthelferin im Gesundheitsamt

tätig war. Die Gebote für Call Agents,

freundlich und hilfsbereit zu sein, kennt sie

aus dem alten Job. Sie schätzt den

Zusammenhalt des Teams, der heute schon zu

erkennen sei. Vier Wochen gemeinsam die

Schulbank drücken, das schweißt zusammen. Eine

Untersuchung brachte die Duisburger auf die

Idee, die Kommunikation zwischen Bürgern und

Verwaltung zu verbessern. Denn das Ergebnis

war wenig schmeichelhaft: 60 Prozent der

Anrufer in der Stadtverwaltung erreichen den

gewünschten Gesprächspartner nicht. Ein

Missstand, den Oberbürgermeisterin Bärbel

Zieling nicht hinnehmen wollte. So entstand in

nur sieben Monaten in Zusammenarbeit mit der

Unternehmensberatung servicesite das Projekt.

Die Kölner und Dortmunder blicken neidisch an

den Niederrhein. Sie basteln bereits seit zwei

Jahren an einem ähnlichen System.



 Personaldezernent Gerd Bildau sieht in dem

Call Center einen doppelten Niveausprung: Wir

verbessern die Kommunikation mit den Bürgern

und die Funktionsleistung der Verwaltung nach

innen.



 Die Fragen, mit denen vorher die Fachämter

überhäuft wurden, landeten mitsamt den

Antworten im Speicher der Datenbank. Alle

Ämter hatten zuvor ihre Produkte beschrieben

und die häufigsten Fragen aufgelistet. So

können vermutlich 40 Prozent der

Bürgeranfragen sofort per Mausklick

beantwortet werden. Muss das elektronische

Gehirn passen, machen sich die Agenten schlau

und rufen den Bürger zurück. Jede Frage, auf

die der Computer keine Antwort weiß, wird

gespeichert und später beantwortet. So soll

das Standardwissen der Datenbank nach drei

Monaten schon auf 70 Prozent gewachsen sein.



 Mit 2500 Anrufen täglich rechnen die

Duisburger. Andere Kommunen wundern sich über

die geringen Investitionskosten von 950 000 DM

und die Geschwindigkeit, mit der das Projekt

realisiert wurde. Gerd Bildau glaubt, die

Gründe zu kennen: Wir hatten ein kleines

Projektteam, konnten schnell geeignete Räume

finden und alle Mitarbeiter aus unserer

Verwaltung für die neue Dienstleistung gewinnen.



 Übrigens können Anrufer auch auf Missstände

aufmerksam machen. Die Agenten leiten sie zum

richtigen Fachamt. Warteschleifen, so

verspricht die Stadt, werde es selten geben.

Und sollte ein Anrufer dennoch länger in der

Leitung hängen, wird sein Ohr mit klassischer

Musik der Duisburger Philharmoniker verwöhnt.